Fünf Gründe, weshalb wir im Alltag manchmal zu viel Geld ausgeben.

„Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig?“ – So oder so ähnlich klagen viele Menschen oft bemüht scherzhaft. Doch hinter der Aussage steckt meistens mehr Wahrheit als viele zugeben möchten. Geld ausgeben ist in den letzten Jahren zunehmend leichter geworden und passiert oft so „automatisch“, dass wir uns tatsächlich fragen müssen, warum und wofür wir überhaupt so viel Geld ausgeben. Machen es uns technologische Innovationen im Bereich E-Commerce und des Zahlungsverkehrs möglicherweise zu einfach?

Die Weihnachtszeit ist vorbei und nicht bei wenigen war Sie wieder geprägt von übermäßigem Konsum und einem häufig nachlässigen Ausgabeverhalten. Vielfach gehört deshalb eine größere finanzielle Disziplin zu den guten Vorsätzen für das neue Jahr. Hierbei tuen wir uns jedoch vielfach schwer. Wobei eine Aussage erlaubt sein sollte:  Geld sparen ist nicht schwer, aber Geld ausgeben ist viel zu leicht. Hier sind fünf Gründe, warum wir manchmal zu viel Geld ausgeben:

Wie Weihnachtsgeld und Co. uns das Sparen erschweren.

Wer kennt das nicht. Das Weihnachtsgeld oder eine andere Form der erfolgsabhängigen Vergütung wird überwiesen. Die Sache mit dem zusätzlichen Einkommen ist die: am Ende haben wir vielfach weniger Geld als vorher, denn es verleiht uns trügerische Sicherheit. Es verleitet uns zu Ausgaben, die wir ohne den Bonus nicht tätigen würden.

„Oh, schau, ich habe 1.000€ Weihnachtsgeld erhalten. Jetzt können wir uns den Urlaub auf Bali endlich leisten.“, auch wenn der eigentlich 1.500 EUR kostet. Finanziell gesehen machen wir hier einen Verlust in Höhe von 500 EUR – bewusst ist uns das jedoch selten.

Warum wir oft doppelt zahlen, wenn wir versuchen zu sparen.

Wer kennt den Moment nicht: Sie stehen vor der Wahl zwischen einem teuren und technologisch hochwertigen Laptop und einem Gerät, das zwar günstiger ist, dafür aber Nachteile hinsichtlich der Hardware aufweist. Aus Gründen der Sparsamkeit entscheiden wir uns für das günstigere Produkt. Die Folge: Ein halbes Jahr später muss das Gerät zur Reparatur. Im schlimmsten Fall greift die Garantie nicht und Sie bleiben auf den Kosten sitzen. Diese können unter Umständen auf ähnlich hohem Niveau sein wie die Anschaffungskosten eines neuen Laptops. Im Ergebnis haben Sie einen weniger leistungsstarken Laptop und genau so viel bezahlt, als wenn Sie von Anfang an den hochwertigeren erworben hätten.

Genauso ist es bei Autos: Wer will schon ein Vermögen für ein gebrauchtes Fahrzeug ausgeben nur um dann ein Jahr später vom Mechaniker zu hören: „Es wäre billiger, ein neues Auto zu kaufen, als dieses zu reparieren.“

Warum Menschen Dinge kaufen, die sie nicht brauchen.

„Brauchst du die Jacke?“ – „Nein, aber ich will sie!“ Sie wissen, worauf wir hinauswollen, oder?  Jeder von uns hat schon Dinge gekauft, die wir nicht brauchen. Ein paar Monate später werden eben jene Dinge zu Staubfängern oder sprengen den Kleiderschrank.

Dieses Verhaltensmuster ist so verbreitet, dass sich sogar ein ganzer Fachbereich des Neuromarketings mit dem Phänomen beschäftigt – der Impulskauf. In Deutschland werden laut statistischen Erhebungen rund 50 Prozent aller Kleidungsstücke ungeplant gekauft, einfach nur weil diese zufällig gefielen. Es wird geschätzt, dass etwa 10-20 Prozent aller Kaufvorgänge Impulskäufe sind.

Diese Schwäche blieb nicht unentdeckt von E-Commerce Unternehmen wie Amazon. Sie entwickelten eigens Algorithmen, die unser Kaufverhalten analysieren und uns nach dem Besuch von Produktseiten in regelmäßigen Abständen gezielt Vorschläge für ähnliche oder komplementäre Produkte machen.

Um es in einem Zitat zusammenzufassen: “Sie kaufen Dinge, die sie nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen, mit Geld, das sie nicht haben.” (Richard David Precht)

Zalando, Lieferando und Co. –  ist Einkaufen zu bequem geworden?

Wir sparen nicht nur gerne Geld, sondern vor allem auch Zeit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Konsum online stattfindet. Ob wir nun das Abendessen nach Hause liefern lassen oder das neue Paar Schuhe – es geht alles mit zwei Klicks bequem vom heimischen Sofa aus. Das Versprechen, kostenlos zu retournieren, gibt Konsumenten das Gefühl kein Risiko einzugehen, ganz nach dem Motto: „Wenn es mir nicht gefällt, dann schicke ich es einfach zurück“. In der Realität sind die Menschen jedoch beim retournieren noch nachlässiger als beim Einkauf. Nur ein Bruchteil der Produkte, die nicht gefallen, werden tatsächlich zurückgeschickt.

Psychologisch gesehen fühlt sich Konsum außerdem schwerer an, wenn aktiv Bargeld den Besitzer wechselt. Zwar erhalten Sie bei mobilen Bankinglösungen auch heute schon Push-Benachrichtigungen nach einem Kauf in Echtzeit und werden so immer auf Veränderungen aufmerksam gemacht. Die Bequemlichkeit des Konsums jedoch, sie bleibt.

Wie Spotify, Netflix und Co. heimlich unsere Ausgaben in die Höhe treiben.

Fixkosten sind das eine, die müssen regelmäßig bezahlt werden. Variable Fixkosten hingegen summieren sich auf, oft ohne, dass man es merkt. Dabei besteht hier eigentlich ein nicht zu unterschätzendes Sparpotenzial.

Brauchen Sie einen eigenen Spotify oder Netflix Account oder macht ein Familien-Account vielleicht mehr Sinn? Müssen Sie das Bankkonto mit den Gebühren halten oder gibt es vielleicht günstigere Alternativen? Müssen Sie den teuren Handyvertrag zahlen oder reicht vielleicht doch 1GB Internetvolumen pro Monat?

Klar, das sind oft wenige Euro, aber die summieren sich am Ende des Jahres. Und die Gebühren werden abgezogen ohne dass wir es merken, direkt vom Konto.

Auch bei der Geldanlage unterschätzen Menschen den Effekt von fixen Kosten. Verwaltungsgebühren für Investmentfonds oder teure Versicherungsprodukte schmälern nicht selten die Rendite ihrer Investition. Hier überwiegt die Tendenz, sich auf Renditeangaben vor Kosten zu verlassen ohne die negativen Effekte von Ausgabeaufschlägen und versteckten Gebühren zu berücksichtigen.

Schlusswort von wevest

Um auch im Jahr 2019 finanziell gut dazustehen sollten wir uns stets unser Konsumverhalten bewusst machen. Wann haben wir wofür Geld ausgegeben? Um die Kontrolle über das eigene Geld zu behalten empfehlen wir eine smarte Verteilung des Einkommens in mehrere Töpfe, die jeder individuell definieren kann. So können Sie sich in Bezug auf gewisse Bereiche wie Reparaturen, Kinder oder Bildung ein finanzielles Polster aufbauen. Einen „Topf“ für Spontankäufe und -erlebnisse hilft Ihnen, sich von vornherein Grenzen zu setzen.

Author: Carlos Link-Arad
Business Development Manager bei wevest Capital. Erfahrener Analyst für Banking und Innovation und begeisterter Privatanleger.

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1 Kommentar

  • Uta Link

    Sämtliche oben aufgeführten Phänomene kenne ich aus eigener Erfahrung und kann nur sagen: WIE WAHR!
    Empfehlen kann ich das Töpfe-Modell. Es funktioniert für mich seit Jahren ganz prima 🙂