Psychologie der Geldanlage: Emotion oder Verstand?

Wie wir alle aus eigener Erfahrung wissen, gibt es viele psychologische Muster, die unsere Entscheidungen stark beeinflussen. Sobald Geld im Spiel ist handeln viele Menschen irrational. Unsere Emotionen, Neigungen und auch sozialen Einflüsse verzerren unser Denken.

Der Kinofilm „Wallstreet – Geld schläft nicht“: Gordon Gekko, der gerissene Börsenspekulant, verkörpert eine der wahrscheinlich größten Gefahren bei der Geldanlage: Gier. Gekko vermittelt dem Zuschauer das Gefühl von Faszination für die Börsen, in dem er eines zu verstehen gibt: An der Börse kann jeder Millionär werden. Mit Willenskraft, Arbeit und immer einem Ziel vor Augen: Reich werden, gerne auch auf Kosten anderer. Seine Antwort auf die Frage, wie viel Geld er haben wolle: „Mehr“. Gibt es Tricks, die Anleger heute aus der von Michael Douglas gespielten fiktiven Person tatsächlich lernen können?

Im folgenden Artikel werden wir uns Denkfehler anschauen, die einen vernünftigen Umgang mit Geldanlage schwierig machen.

Gier macht blind.

Der legendäre Investor im Film Wall Street pflegt zu sagen: „Gier ist gut“. Wirklich? Absolut nicht, denn Gier verzerrt unseren gesunden Menschenverstand und veranlasst uns oft zu irrationalen Entscheidungen bei der Geldanlage. Eine argentinische Staatsanleihe mit 9% Rendite, ganz ohne Risiko? Für unseren Verstand klingt das dubios. Doch die Aussicht auf die 9% lässt die Gier erwachen. Und schon greifen Anleger zu – oft mit einem späteren Totalverlust.

Ein Dummkopf kommt selten allein.

Nach der sogenannten Greater Fool Theorie kaufen Menschen auch dann noch viel zu teure Aktien, wenn sie davon ausgehen, dass es bestimmt jemanden gibt, der diese für einen noch höheren Kurs abkauft, also ein noch größerer Dummkopf ist. Fundamentale, nachhaltige Investitionsüberlegungen spielen dabei keine Rolle. Die Aussicht auf schnelle Gewinne führt zu riskanten Entscheidungen.

Wo sehen wir dieses Verhaltensmuster? Ein aktuelles Beispiel ist der Markt für Kryptowährungen. Der Kurs von Bitcoin vervielfachte sich zunächst. Angezogen von fantastischen Gewinnaussichten stieg allein im Jahr 2017 der Preis von 1.000 auf über 15.000 Euro. Lag das an einer Veränderung des fundamentalen Wertes der Währung? Bei einer Anlageklasse ohne Wertschöpfung und ohne Verzinsung ist das schwer zu sagen. In der Erwartung auf weiter steigende Kurse, sind trotzdem viele Menschen eingestiegen, um zu noch höheren Kursen verkaufen zu können. Ende 2017 kam die Kehrtwende. Es fanden sich keine neuen Anleger die bereit waren, zu noch höheren Preisen zu kaufen.  Seitdem verlor der Bitcoin-Kurs über 75%.

Ähnlich verhielt es sich mit der Entwicklung einiger Technologiewerte in den USA. Im Herbst 2018 kam die große Korrektur, die eine große Unsicherheit hinterließ.

Abbildung 1 – Kursverluste der letzten 3 Monate

Mit der Herde oder mit Verstand?

Der Mensch ist evolutionär bedingt ein Herdentier. Auch heute noch fühlen wir uns in der Herde am wohlsten. Handeln wir so wie die Mehrheit so fühlen wir uns geschützt.

Eine schlechte Note in der Schule empfinden wir als weniger schlimm, wenn die Hälfte der Klasse ebenfalls schlecht abgeschnitten hat. Wir bevorzugen das volle Restaurant im Urlaubsort und meiden die leeren Tische der benachbarten Gaststätte. Wenn 90% des Publikums bei „Wer wird Millionär“ die Frage auch falsch beantwortet hat, dann ist alles nicht so schlimm. Mit falschen Entscheidungen, die im Einklang mit der Mehrheit getroffen wurden, kommen Menschen einfach leichter zurecht.

Und wie verhält es sich in Bezug auf Anleger? Für eine gewisse Zeit kann es sich lohnen mit der Herde zu gehen – ganz nach dem Motto „The Trend is Your Friend“. Doch früher oder später kommt der Punkt, an dem die Risiken von der Herde unterschätzt werden. In dieser Phase gibt es für individuelle Meinungen kaum Unterstützer. Allein der vergangene Kursverlauf unterstützt die angebliche Logik des Trends. Bis die Stimmung kippt und der Trend sich umkehrt.

Angst frisst Hirn

Über Verluste an der Börse ärgert sich natürlich jeder. Die nächste Aussage mag paradox klingen – ist aber viele Male wissenschaftlich nachgewiesen worden: Der Schmerz über finanzielle Verluste ist viel größer als die Freude an Gewinnen.

Nehmen wir an eine Aktie befindet sich aktuell im Gewinn. Ein weiterer Gewinn würde zwar insgesamt die Situation verbessern, ein Abgleiten in den Verlust sie allerdings stärker verschlechtern. Anleger tendieren dazu die Aktie frühzeitig zu verkaufen, um den sicheren Gewinn mitzunehmen. Sie sind risikoavers.

Wie verhält es sich im Fall mit einer Aktie im Verlustbereich? Anleger sind entweder geneigt einen Verlust wieder ausgleichen zu wollen und entscheiden sich meistens für das Halten der Position. Oder sie geben entnervt auf und halten sich zukünftig fern von „risikoreichen“ Anlagen.

Anleger haben durch die Angst vor Verlusten eine starke Tendenz zu sicheren Anlagen. Mit dieser geistigen Disposition stehen sie allerdings meist einer erfolgreichen Geldanlage im Weg.  Dabei müssen für einen Anleger temporäre Kursschwankungen nicht zwingend ein Risiko darstellen. Im Gegenteil:  Die Inflation entwertet schleichend die Kaufkraft auf den heute kaum noch verzinsten Sparkonten und bescheren damit einen sicheren Verlust. Die wahren Risiken liegen in Wertverlusten zu dem Zeitpunkt, an dem ein Anleger seine Investments realisieren möchte. Der reale Kaufkraftverlust auf dem Tagesgeldkonto ist jedoch garantiert. Insbesondere risikoaverse Anleger müssen daher verstehen dass in der aktuellen Niedrigzinsphase eine werterhaltende Vermögensanlage ohne Kursschwankungen und gewisse Risiken nicht darstellbar ist. Die Kunst besteht darin, diese Risiken entsprechend der eigenen Risikotoleranz bewusst einzugehen und laufend zu kontrollieren.

Schlusswort von wevest Capital

„Gier ist gut. Gier ist richtig. Gier funktioniert.“ (Gordon Gekko, Wall Street). Mit dieser Einstellung verlor die Titelfigur im Film letztendlich alles. Die Herausforderung für eine erfolgreiche Vermögensanlage ist indes groß. Verstand und Emotionen sind vor allem wenn es um das Thema Geld geht schwer mit einander in Einklang zu bringen. Angst und Gier treiben Anleger oftmals zu irrationalen Entscheidungen, die einer erfolgreichen Vermögensanlage im Wege stehen. Daher plädieren wir für mehr Rationalität.

Fakt ist: Durch die Inflation verlieren Anleger real an Kaufkraft. Ganz ohne Schwankung lassen sich heute keine ausreichend attraktiven Renditen erzielen. Wer die Möglichkeit hat, sein Vermögen mittel- oder langfristig anzulegen, sollte auf Anlagen mit höheren Ertragschancen nicht gänzlich verzichten.

 

Im Video-Interview erklärt unser CIO, Björn Siegismund, warum das Wertspeicher-Portfolio für ihn eine vernünftige Lösung für Anleger ist. Ihr Vermögen verdient mehr.

 

Author: Carlos Link-Arad
Business Development Manager bei wevest Capital. Erfahrener Analyst für Banking und Innovation und begeisterter Privatanleger.

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