Oldtimer Investments. Und welche Rolle spielt jetzt die Blockchain?

Stellen Sie sich vor: Sie steigen ein. Der Duft gereiften Leders steigt Ihnen beim Öffnen der Fahrertür direkt in die Nase. Die Sitze sind elegant geformt und das Design des Fahrzeugs zeugt von Stil. Elegant liegt das Auto in den Kurven während es Serpentine für Serpentine einen Alpenpass erklimmt. Im Film „Skyfall“ zeigt uns James Bond einmal wieder, wie geschmeidig sich ein legendärer „Aston Martin DB5“ bewegen kann.

Seltene Autos haben sich in den letzten Jahren nicht nur als reine Augenweide und Erlebnis für die Eigentümer erwiesen. Oldtimer können auch eine spannende Alternative zur klassischen Geldanlage in Aktien, Anleihen und Immobilien sein.

Fun Fact: Während der „Car Week“ im kalifornischen Monterey im Herbst 2018 wurden an drei Abenden 1.400 Autos für zusammen 370 Millionen Dollar versteigert.

Klingt erstmal verlockend. Doch was genau macht diese Anlageklasse so interessant und wo lauern potentielle Risiken für Investoren?

Oldtimer versus Aktie. Wer macht das Rennen?

Der Oldtimerindex (OTX) bildet die Wertentwicklung von 88 Modellen ab, die auf dem deutschen Markt am häufigsten vertreten sind. Der historische Verlauf zeigt, dass der Index zwischen Januar 2005 und Januar 2018 um stolze 302,63 Prozent gewachsen ist. Zum Vergleich: Der DAX wuchs im selben Zeitraum um 203,51 Prozent (siehe nachfolgende Grafik). Interessant ist auch die Entwicklung während der Finanzkrise 2008. Der DAX zeigt einen deutlichen Knick, während sich die Wertentwicklung von Oldtimern als durchaus stabil erwiesen hat.

Oldtimer Preisentwicklung deutlich stärker als DAX Entwicklung seit 2005

Der Markt für Oldtimer in Deutschland wächst kontinuierlich

Deutsche lieben Oldtimer. Über die vergangenen 7 Jahre ist die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge mit H-Kennzeichen konstant gewachsen – auf über 422.000 in 2017. Die beliebtesten Modelle sind nach wie vor der Citroen 2CV6 („Ente“) und der VW Bus T2 („Bulli“). Generell sind die Deutschen bei klassischen Fahrzeugen den heimischen Herstellern treu – ein Großteil der zugelassenen Fahrzeuge entfällt auf deutsche Fabrikate.

Oldtimer als Geldanlage? Der Anleger „muss“ ans Steuer.

Reicht es auf einer der unzähligen Oldtimer-Auktionen ein Fahrzeug zu ersteigern, nach Hause zu fahren, in der eigenen Garage zu parken und nach einigen Jahren wieder zu verkaufen?

Die einfache Antwort: Nein. Anleger müssen bedenken, dass man Oldtimer nicht einfach wie Aktien liegen lassen kann, während man auf eine positive Wertentwicklung hofft. Experten empfehlen, jährlich mindestens 1.000 Kilometer mit Oldtimern zurückzulegen, damit die Autos keine Standschäden erleiden. Für die meisten ist das kein Problem. Sie betrachten diese Fahrtzeit als eine Art „Dividende“ auf vier Rädern. In jedem Fall sollte darauf geachtet werden, dass diese Mindestfahrtstrecke stets eingehalten wird.

Nicht zu unterschätzen: Auch Autos haben laufende Kosten.

Zeit ist nicht alles. Abgesehen vom zeitlichen Aufwand stellen Stellraum, Steuern, Wartung, Gutachten und Versicherung Aufwendungen dar, die Anleger zur Beurteilung der finanziellen Sinnhaftigkeit eines Investments in Oldtimer berücksichtigen müssen. Die anfallenden Kosten können die erwartete Rendite beachtlich schmälern. Da es sich hier überwiegend um Fixkosten handelt, die für alle Modelle gelten, empfehlen Experten erst ab einem Fahrzeugwert von 100.000 Euro zu einem Kauf zum Zwecke der Kapitalanlage. Denn je höher der Wert des Oldtimers, desto geringer fallen die anstehenden Fixkosten ins Gewicht. Das wirkt sich positiv auf die Rendite aus.

Ein weiteres, theoretisches, Risiko besteht in einer rechtlichen Einschränkung von Nutzungsmöglichkeiten für Oldtimer. Die aktuelle Diskussion rund um Diesel-Fahrverbote in Innenstädten kann als deutliches Signal für eine Wende in Richtung umweltfreundlicher Fahrzeuge gedeutet werden. Käufer von Oldtimer sollten die politischen Entwicklungen aus diesen Gründen nicht unberücksichtigt lassen.

Blockchain und Oldtimer. Kommt jetzt die große Marktöffnung?

Eine große Summe in eine einzige Anlageklasse zu investieren schreckt viele Anleger ab und sollte selbst bei ausreichender Liquidität unter Risikogesichtspunkten vermieden werden. Nur eine Teilinvestition in einen Oldtimer zu tätigen erweist sich bisher jedoch als schwierig, da man schlecht nur einen Bruchteil eines Fahrzeuges besitzen kann. Eine Lösung könnte sein: Die Tokenisierung des Oldtimers („Asset Tokenization“).

Durch Asset Tokenization werden die Eigentumsrechte an Sachgütern wie Oldtimer digital in sogenannte „Tokens“ auf einer Blockchain abgebildet. Ein Oldtimer im Wert von 100.000 Euro kann anschließend in beispielsweise 100 Tokens geteilt werden. Diese können dann auf Handelsplattformen gehandelt werden. Dies ermöglicht es auch Anlegern mit geringerer Liquidität ihr Portfolio für eine neue Anlageklasse zu öffnen.

Wenn Sie sich für das Thema interessieren, empfehlen wir Ihnen unseren Artikel „Tokenisierung von Realgütern“. Hier geben wir unseren Lesern eine spannende Einführung in die Zukunft der Blockchain Technologie – und welchen realen Wert sie wirklich besitzt.

Das wevest Schlusswort. Zwischen Leidenschaft und Vernunft.

Alternative Anlageklassen sind im Niedrigzinsumfeld sehr gefragt und erfreuen sich vor allem in unruhigen Zeiten wachsender Beliebtheit. Weltweit turbulente Phasen an den Börsen verstärken diesen Trend.

Abgesehen davon sind alternative Geldanlagen eine sinnvolle Ergänzung des persönlichen Portfolios – natürlich unter Berücksichtigung des Chancen/Risiko-Profils.

Wir plädieren auch hier für die Philosophie der Diversifikation. Eine Streuung Ihrer Investments auf verschiedene Anlageklassen sollte in jedem Fall erfolgen.

Moderne Technologien wie „Asset Tokenization“ werden diesen Vorgang in naher Zukunft deutlich vereinfachen. Es wird spannend. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Author: Carlos Link-Arad
Business Development Manager bei wevest Capital. Erfahrener Analyst für Banking und Innovation und begeisterter Privatanleger.

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