Vermögen sinnvoll anlegen

Immobilien sind vielerorts teuer, die Aktienmärkte stehen unter Druck und Anleihen werfen niedrige oder teilweise bereits negative Zinsen ab. Entsprechend groß ist das Interesse an alternativen Wegen, das verfügbare Vermögen sinnvoll anlegen zu können.

Zunehmend rücken dabei auch Sachwerte in den Fokus, bei denen auf eine anständige Wertsteigerung spekuliert wird. Kunst, alte Möbel, Oldtimer, selbst Wein und Whisky werden zum begehrten Anlageobjekt für Menschen, die ihr Vermögen sicherheitsorientiert und sinnvoll anlegen möchten. Doch hält diese Art der Vermögensanlage wiederum ihre ganz eigenen Herausforderungen bereit. Daneben beginnen sich auch Crowd-Investments als mögliche Ergänzung des Portfolios zu etablieren.

Kunst erzielt hohe Wertsteigerung, setzt aber große Vorkenntnisse voraus

Bei einigen Vermögensanlagen ist ein Mindestmaß an Vorkenntnissen Voraussetzung. So verzeichnete vor allem der Kunstmarkt in den letzten Jahren enorme Wertsteigerungen, verlangt aber auch Fachwissen auf Seiten der Kaufinteressenten. In Zeiten der Niedrigzinspolitik sind manche hochvermögenden Käufergruppen zudem bereit, teils absurd hoch anmutende Preise für Gemälde und plastische Kunstgegenstände zu bezahlen.

Die gestiegenen Preise locken auch zahlreiche Fälscher und Betrüger in den Kunstmarkt, weshalb Laien von solchen Anlagen die Finger lassen sollten. Gesetzliche Einschränkungen, intransparente Märkte und „schwarze Händler-Schafe“ machen diese Objekte für unbedarfte Investoren zu einem Glücksspiel. Die Hoffnung, ein echtes Frühwerk Gerhard Richters oder eine Matisse-Skizze zu erwerben, von der selbst Professoren der Kunstgeschichte noch keine Kenntnis besaßen, dürfte gering sein und mit einem bösem Erwachen enden.

Ein Oldtimer erweist sich schnell als Investition mit Folgekosten

Weniger von Fälschungen betroffen ist der Markt für Oldtimer. Auch hier gab es in den letzten Jahren erhebliche Wertzuwächse. Doch ein Auto kostet auch. Zum Beispiel die Unterbringung des Oldtimers, der schließlich nicht einfach unter einer Laterne geparkt werden kann. Hinzu kommen Versicherung und Instandhaltungskosten. Fahrzeug-Experten sprechen davon, dass Oldtimer unter einem Wert von 50.000 Euro nicht als Spekulationsobjekt taugen. Kosten und Wertentwicklung treiben in diesem Preissegment meist ein Nullsummenspiel.

Je höherwertiger das Fahrzeug, desto weniger schlagen die Fixposten proportional zu Buche – und desto höher fallen die möglichen Wertzuwächse in absoluten Zahlen aus. Weil diese Zuwächse aber nur schwer vorhersagbar sind und diese eben auch häufig nicht die Kosten aufwiegen, sollte hinter einem Oldtimer-Investment mehr stehen als ein spekulativer Grund. Freude am Auto und am Fahren etwa – das ist die eigentliche „Spaß-Rendite“.

 

Wein und Whisky als liquide Wertanlagen

Ähnliches gilt wohl für die Wertanlage in Wein und – vermehrt in jüngster Zeit – Whisky. Gerade letzterer verzeichnete in den 80er/90er Jahren einen erheblichen Absatzeinbruch und viele Destillen mussten schließen. Die seit Jahren wieder deutlich gestiegene Nachfrage macht deshalb vor allem Single Malts, die älter als 20-30 Jahre sind, zu einer begehrten Wertanlage. Doch ob die Flaschen dann auch auf einem kleinen Verkäufermarkt so viel Liquidität bringen, der ihrem Inhalt entspricht, steht auf einem anderen Blatt.

Mit dieser Herausforderung sehen sich nahezu alle Vermögensanlagen in Form von Sachwerten konfrontiert – ob sie im Falle eines Falles auch einen Käufer finden werden.

Crowd-lending als neuartige Form, sein Vermögen sinnvoll anzulegen

Zu den alternativen Wertanlagen zählen mittlerweile auch Crowdlending-Investments. Dabei gibt es zwar weniger „Spaß-Rendite“ wie bei Oldtimer & Co., doch kann sich bei erfolgreichem Verlauf der Investments wieder mehr Spaß beim Investieren einstellen. Die Idee dahinter: Der Anleger kann wieder selbst bestimmen, wie er sein Vermögen anlegt statt diese Entscheidung einer Bank zu überlassen.

Beim Crowdlending können über Online-Portale Teile des eigenen Vermögens an Privatpersonen oder mittelständische Unternehmen verliehen werden. Gemeinsam mit anderen Investoren – der Crowd – wird für das jeweilige Projekt die entsprechende Finanzierungssumme „zusammengelegt“. Um das Risiko zu diversifizieren, empfehlen die Plattformen die Investition über mehrere Projekte zu streuen. In regelmäßigen Abständen fließen dann Teile des Investitionskapitals samt Zinsen auf das eigene Konto zurück bis zur vollständigen Tilgung der investierten Summe.

Alternative Vermögensanlagen bringen mehr Freude

Ob nun Kunst, Whisky oder Oldtimer – anders als bei Aktien, Anleihen oder Immobilien sind die Märkte für solche Objekte vergleichsweise klein und die Preise dementsprechend schwankungsanfällig. Dem Crowdlending-Sektor wird von Branchenkennern großes Wachstumspotenzial prognostiziert, sind verzinste Kreditprojekte doch praktisch nicht durch Knappheit begrenzt wie beispielsweise Kunstobjekte.

In jedem Falle erweitern sowohl Sachwerte als auch Crowd-Investitionen die alternativen Anlagemöglichkeiten für Vermögende. Ob man mehr der „Spaß-Rendite“ oder dem Spaß am Investieren zuneigt – ausschließen muss man weder das eine noch das andere.

 

Björn Siegismund
Author: Björn Siegismund
Vorstand und Chief Investment Officer der wevest Capital Vermögensverwaltung AG, zuvor Portfoliomanager bei Deutschlands größter Pensionskasse BVV.

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