In Berlin auf der Suche nach passender Vermögensverwaltung

Junge Vermögende sind anspruchsvoll. Da unterscheiden sie sich in Berlin nicht von Vermögenden andernorts. Die junge Generation profitiert von guter Ausbildung und kommt mittlerweile auch in den Genuss umfangreicher Erbschaften. Bei der Vermögensgestaltung stellen die jungen Mandanten deshalb auch entsprechend hohe Anforderungen an die Verwalter ihres Vermögens.

 Der schnelle technologische Wandel und der bessere Zugang zu Information über das Internet tragen daran wesentlichen Anteil. Der Anleger von heute ist deutlich besser informiert und damit anspruchsvoller. Die junge Generation der Vermögenden hat die Finanz- und Euroschuldenkrise der vergangenen Jahre live miterlebt. Und wesentliche Entscheidungen über Schulden, Kapital und Kredit wurden direkt vor ihrer Haustür im Berliner Kanzleramt getroffen.

Vertrauen in bankabhängige Vermögensberater ist erodiert

Auch die Exzesse der Finanzindustrie liegen noch nicht allzu weit in der Vergangenheit. Der Vertrauensverlust in Banken und deren Finanzberatung darf als enorm bezeichnet werden. Häufig war den Anlegern, ob in Berlin oder anderswo, das Vorgehen der großen Geldhäuser bei der Vermögensberatung nicht bewusst. Dass ihr Vermögen zumeist in hauseigene Produkte der Bank floss – vom Investmentfonds über geschlossene Beteiligungsmodelle bis hin zu Immobilien – obwohl die Kapitalmärkte auch andere, oft bessere Modelle vorrätig hielten, erschloss sich nur Einzelnen. Von lukrativen Provisionszahlungen bis zu internen Absatzvorgaben ahnten die vermögenden Kunden wenig. Vielmehr dominierte der Gedanke, dass sich eine Art Honorarberater bei der Geldanlage um das eigene Depot kümmern würde.

Deshalb wünschen sich bzw. erwarten die jungen Anleger bei der Vermögensplanung von ihren Beratern eine unabhängige und darüber hinaus umfassende und vor allem transparente Dienstleistung. Die junge Generation ist besser informiert und einfach anspruchsvoller als frühere Anlegergenerationen. Auch die in Berlin in den letzten Jahren vermögend gewordenen Vertreter aus der Start-up-Szene erwarten nicht nur aufgrund ihrer deutlich besseren technischen Bildung entsprechend fortschrittliche Dienstleistungsangebote im Bereich Vermögensstrukturierung und Vermögensverwaltung.

Berliner Vermögende international sehr erfahren und technikaffin

Aufgrund der größeren internationalen Erfahrungen und der Technikaffinität der jungen Generation wird auch eine entsprechende Beratungskompetenz auf Seiten der Vermögensverwalter nachgefragt. Quasi eine moderne Philosophie in der Vermögensberatung, die Erfahrung mit innovativen Anlagestrategien kombiniert, um schließlich den finanziellen Erfolg zu optimieren. Dazu zählen neben Tools zur zeitnahen Verfügbarkeit von aufbereiteten Informationen auch die Beratung in Sachen Fintech-Lösungen.

Die Einbeziehung manch innovativer Konzepte aus dem Finanzbereich hat dabei ganz neue Renditequellen ermöglicht, die von klassischen Finanzinstituten nicht angeboten werden. So hat sich allein in Berlin eine Fintech-Szene etabliert, die traditionelle Finanzplätze wie Frankfurt hinter sich lässt. Zu nennen sind hier beispielsweise Payment-Anbieter, Robo Advicer oder zinsbasierte Crowd-Anlage-Modelle, bei denen Kapital an kreditsuchende Unternehmen oder Privatpersonen gegen Zinsen verliehen werden kann.

Herausfordernde Zeiten verlangen nach innovativen Lösungsansätzen

Für Vermögensverwalter besteht derzeit die Herausforderung darin, das vermögende Klientel darauf vorzubereiten, dass es mit den vergleichsweise „einfachen“ Investmentzeiten der jüngeren Zeit möglicherweise nicht so weitergehen wird. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass zurückliegende Ereignisse irgendwann in Vergessenheit geraten und in der Erinnerung überlagert werden. Gerade die Jüngeren sind von der Hausse an den Renten- und Aktienmärkten und den dadurch erzielten positiven Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit „verwöhnt“. Die Verluste aus den Zeiten der Finanzkrise geraten hingegen zunehmend in Vergessenheit oder wurden damals nur medial erlebt.

Junge Vermögende suchen Rat bei professionellen Verwaltern ihrer Investments

Tendenziell ist weiterhin zu beobachten, dass Anleger mit einem längeren Anlagehorizont und einer höheren Risikotoleranz eine entsprechend höhere Renditeerwartung haben. Die zunehmende Transparenz in der Vermögensanlage, das Internet und der Boom an den Renten- und Aktienmärkten haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass breite Bevölkerungsschichten etwas besser informiert sind als früher. Auf der anderen Seite ist auch ein klarer Trend dahin zu sehen, dass sich gerade junge Vermögende um die Themen Altersvorsorge und Vermögensaufbau eher weniger selbst Gedanken machen möchten und sich diesbezüglich lieber den Rat eines professionellen Vermögensverwalters einholen.

Auch in diesem Punkt unterscheiden sich die Berliner wenig von den Einwohnern anderer Bundesländer.

 

Björn Siegismund
Author: Björn Siegismund
Vorstand und Chief Investment Officer der wevest Capital Vermögensverwaltung AG, zuvor Portfoliomanager bei Deutschlands größter Pensionskasse BVV.

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