Geldanlage: Umparken im Kopf

In punkto Geldanlage sind viele gängigen Vorstellungen falsch. Manipulierte Vermögenspreise und veränderte geopolitische Risiken erfordern eine genauere Betrachtung.

Im Zeitalter moderner Computer- und Telekommunikationstechnologien ist der wissenschaftliche Fortschritt von keiner Regierung der Welt mehr aufzuhalten. Das Tempo neuer Entwicklungen ist heute so rasant wie nie zuvor. Beispielsweise ist es gerade einmal 10 Jahre her, seit Apple sein erstes Smartphone präsentiert hat, welches in den kommenden Jahren unser Leben dramatisch verändert hat. Für Anleger sind das herrliche Zeiten. Sie brauchen nur auf die Kurzettel der Börsen zu schauen: Apple, Google & Co. zählen heute zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Und auch die langfristigen Chancen einer erfolgreichen Kapitalanalage in Aktien stehen gut. Doch nicht allen Anlegern und Sparern ist zu raten, auch tatsächlich in Aktien anzulegen. Der Umgang mit dem Risiko und den Mechanismen der Börsen will gelernt sein. Nicht jeder hat die Zeit und das Gespür, sich das erforderliche Wissen anzueignen, um gute von schlechten Aktien oder Fonds zu unterscheiden. Auch die Suche nach einem erfahrenen Bankberater oder Vermögensverwalter erweist sich oft als schwierig,

Sparverhalten der Deutschen wird in einer Tragödie enden

Nur etwa 7% der Deutschen halten direkt Aktien, etwa doppelt soviel sind es mittelbar über Aktienfonds. Die Bundesbürger stapeln lieber Ihr Geld auf Sparbüchern und Tagesgeldkonto, obwohl es dort schon lange keine wirklichen Zinsen mehr gibt. Seit diesem Jahr steigt nun auch noch die Inflation. Eine Tragödie bahnt sich an. Es scheint sich trotzdem kaum jemand die Frage zu stellen, in welcher Form Kapital besser aufgehoben wird.

Deutsche haben Ihre Ersparnisse schon zweimal verloren

Die Vorstellungen, dass die staatliche Ordnung und das Finanzsystem einmal fundamental nicht mehr verlässlich sein könnten, verdrängen die meisten Deutschen. Angst und Panik greift um sich, sollten die Ersparnisse bei der Bank einmal gefährdet sein. Daher versuchen Politiker und Zentralbänker bereits bei den ersten Anzeichen von Krise die Bevölkerung zu beruhigen. Doch gerade die Deutschen sollten aus Ihrer Geschichte gelernt haben. In den letzten 100 Jahren haben sie gleich zweimal erlebt, wie schnell ihre gesamten Ersparnisse vernichtet werden. In der Hyperinflation 1923 und bei der Nachkriegs-Währungsreform 1948 schmolz das Ersparte der Deutschen jeweils auf einen Bruchteil zusammen. Die zur Finanzierung des ersten Weltkrieges aufgelegten Kriegsanleihen verfielen nahezu wertlos. Man sollte daher annehmen, dass gerade die Deutschen eher skeptisch dem Papiergeldsystem gegenüber stehen, doch die Reaktion ist genau umgekehrt: Anlage Nr. 1 ist weiterhin das Sparen bei der Bank.

Schlechte Zeiten für Bankkunden

In Zeiten maßloser globaler Verschuldung, unberechenbarer Führungspersönlichkeiten, wachsenden geopolitischen Spannungen und steigender Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen, stehen die Zeiten für Papiergeld schlecht. Denn in Extremsituationen droht bei diesen Anlageformen der Totalverlust. Kurzfristig sollten Sparbuch & Co. bei einer Deflation einen Werterhalt garantieren, aber nur so lange, wie die Banken und Staaten zahlungsfähig bleiben. Die nun steigende Inflation wird jedoch die Kaufkraft weiter schmälern – und bei galoppierender Inflation droht sogar eine vollständige Entwertung.

Zeit für ein Umparken im Kopf

Für den langfristigen Erhalt Ihres Vermögens ist es heute mehr denn je von entscheidender Bedeutung, altbewährte Muster zu hinterfragen und die Geldanlage für stürmische Zeiten wetterfest zu machen.

Haben Sie Fragen oder Anregungen – kontaktieren Sie uns hier oder schreiben Sie uns eine Email an info@wevest.capital.

Björn Siegismund
Author: Björn Siegismund
Vorstand und Chief Investment Officer der wevest Capital Vermögensverwaltung AG, zuvor Portfoliomanager bei Deutschlands größter Pensionskasse BVV.

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